Auserzählt?

03. mai 2021

 

Im Neuen Testament endet die Geschichte Jesu mit seiner Himmelfahrt. Jedenfalls endet sie so bei Lukas. Die anderen Evangelisten und Paulus sind da eher vorsichtig oder gar uninteressiert, was den Fortgang der Erzählung nach der Auferstehung anlangt. Danach folgen Jahrhunderte intensiver Debatte in der Kirche, was diese Geschichte bedeuten könne. Auf diesem Weg gerinnt die Erzählung zum Begriff und am Ende zum Dogma. Bis zur in Aussicht gestellten Wiederkunft Christi bleibt uns im Grunde nur eine „adventliche Existenz“, also Leben in einer Art Warteraum, bis sich die Tore des Himmels oder der Hölle öffnen und das eintritt, was die biblischen Prophezeiungen in bisweilen bestürzenden, bisweilen tröstenden Bildern beschrieben haben. So sieht es bisweilen aus. Oder es hört sich so an. Oder, auch eine Möglichkeit, so wird es einfach behauptet. Sowohl von denen, die besonders fromm sind, als auch von denen, die es gerade eben nicht sind.
Deswegen hier die simple Frage: Geht die Ursprungsgeschichte eigentlich weiter, also die Sache Jesu Christi nach der Himmelfahrt? Gibt es eine Fortsetzung? Hat der Auferstandene und in den Himmel Aufgefahrene noch etwas vor oder sitzt er auf seinem Thron zur Rechten der Majestät und wartet, was so auf der Welt passiert? Anders gefragt: Gibt es nur noch die Möglichkeit, etwas zu begreifen, oder kann man auch irgendeinem Fortgang von Ereignissen folgen? Eines ist jedenfalls sicher: Jesus selbst war seinerzeit der Meinung, dass mit den bis dahin vorhandenen Geschichten über den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs noch nicht alles über Gott gesagt worden war. Und setzte eine Reihe wichtiger Akzente hinzu. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es im Sinne Jesu wäre, wenn seine Geschichte mit Gott und unsere Geschichte mit ihm von irgendjemandem als abgeschlossen erklärt würden. Neben die Frage, was wir nun im Sinne Jesu tun sollen, tritt die ebenso wichtige Frage, um welche Geschichte es eigentlich geht, die wir als Menschen fortschreiben.


Helmut Aßmann

 

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