Panzer

27. September 2022

 

 

Gestern Abend bei Plasberg: 4 Leute reden auf Kevin Kühnert ein, den Generalsekretär der SPD, er solle erläutern, warum seine Partei sich so schwer mit der Lieferung von Leopard-Panzern an die Ukraine tut. Schwergewichte wie Wolfgang Ischinger sind dabei, vormals deutscher Botschafter in den USA und Chef der Münchener Sicherheitskonferenz bis 2021. Die neue Cheferklärerin der Öffentlich-Rechtlichen für Strategiefragen und militärisches Knowhow, Claudia Major, erläutert dem armen Herrn Kühnert, was eine Panzerhaubitze macht und wozu ein Kampfpanzer gut ist und wie ein Schützenpanzer eingesetzt wird: Sturmreif schießen, Geländer erobern und sichern. Gut, dass man das mal erfährt. Man fühlt sich an die Einweisung in das Gefecht der verbundenen Waffen in der Rekrutenausbildung beim Barras erinnert. Etwas ungläubig allerdings, dass derlei komplexe Gegenstände in einer Talkshow wie das neueste Rezept von „Grill den Henssler“ ausgebreitet und als militärisches Basiswissen des aufgeklärten 21. Jahrhunderts vorgetragen werden. „Was, sie wissen nicht, wie eine Panzerfaust funktioniert? Hohlladungsgeschosse nie studiert…?“ Herr Kühnert weiß vermutlich kaum, wo bei einem Gewehr hinten und vorn ist, aber das ist nun auch nicht seine Aufgabe, wie er unentwegt zu verstehen gibt. Aber die anderen wollen über Panzer reden. Große, schwere, viele, deutsche Panzer. Als ob es um Riesenräder ginge oder Lastkähne. Aber es stimmt ja: Für die Quote und die Kamera ist das auch letztlich egal. Es ist eine eigene Form von Perversion, wenn sich militärische Auseinandersetzungen wie Playmobilaufstellungen anfühlen. Nicht einmal ein Soldat war bei dieser Tele-Posse zugegen. Der öffentliche Diskurs steht immer in der Gefahr, als Unterhaltung zu enden, wenn er nicht mit dem Leben von Menschen verbunden wird.   

Helmut Aßmann

 

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