Spionageverdacht
12. oktober 2026
Nun also auch das noch. Als hätte die Bundesregierung nicht schon genug Unbill am Hacken, wird der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning (80 Jahre alt) unter dem Verdacht „geheimdienstlicher Agententätigkeit und versuchten Landesverrats“ in Untersuchungshaft genommen. Auf die Spur wurden die Ermittler durch seine Verbindung mit dem berühmt-berüchtigten Entführungsfall der Block-Enkel aus der Gründerfamilie des „Blockhouse“-Imperiums gebracht. Eine Judasgeschichte. Einer aus dem innersten Zirkel der Sicherheitsbehörden, ja, deren Chef, wird möglicherweise, es gilt die Unschuldsvermutung, „umgedreht“ von einem anderen Interessenträger oder dreht sich selbst nach einem solchen um, aus welchen Gründen auch immer. Der größte Feind sicherheitspolitischer Bemühungen ist offenkundig die Anfällig- und Versuchlichkeit der dafür verantwortlichen Personen. Das war bei der berühmten antiken Schlacht an den Thermopylen nicht anders als im Garten Gethsemane, vom biblischen Absalom bis zum persönlichen Referenten Günther Guillaume reichen die Belege eines Verrats durch diejenigen, die mit den Vorgängen in der „Zentrale“ am besten vertraut sind. Da kann man die Kontrollmechanismen so hoch setzen, wie man will – diejenigen, die Kontrolle ausüben, sind die besonderen Zielobjekte, wenn sie ihr Amt antreten. Dem ist nicht mit Resignation entgegenzutreten, sondern mit Wachheit und einer guten Theologie der Sünde. Es gilt, gleichermaßen die Welt ernstzunehmen und auf Gottes Zuverlässigkeit zu bauen.
Helmut Aßmann
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