Zero Google

20. juli 2026

 

 


Alle Suchmaschinen und social media bedienen sich inzwischen Künstlicher Intelligenz, d. h. jede Eingabe, jedes Posting und jede Information wird auf Wunsch oder auch automatisch mit Programmen verbunden, die das angeschlagene Thema weiterbearbeiten. Selbständig. Sei es, dass sie Vorschläge zur besseren Darstellung machen, weitere Aspekte des Themas aufblättern, geeignete Kontakte zum Gespräch vorschlagen oder lustige Anekdoten zur Sache ins Bild setzen. Das ist unterhaltsam und sorgt zuverlässig dafür, dass die ursprünglich gerichtete Aufmerksamkeit in viele weitere Gedankengänge und Anregungen aufgeteilt wird. Interessanter ist der Effekt, dass die klassischen „Such“maschinen gar nicht mehr suchen, sondern Antworten geben. Der „alte“ Google-traffic, in dem man nach Webseiten suchte, ist Statistiken zufolge um rund 40% eingebrochen, Tendenz steigend: aus der Suchmaschine wird ein Antwortgenerator. Für beliebige Fragen, bis hin zu sehr persönlichen Angelegenheiten. Es gibt eine deutliche Abwanderung in die KI-Programme ChatGPT, Gemini usw., weil sie dem Nutzer die eigene Recherche abnehmen und stattdessen gleich zur Sache kommen. Fachleute sprechen daher von einer Perspektive auf „zero google“, also einen kompletten Wechsel auf die Antwortgeneratoren. Dieses Verfahren ist kräftesparend und attraktiv, vor allem wenn jemand einen guten Rat oder Lebenshilfe braucht. Man muss nicht lange suchen, erspart sich die Scham und den Aufwand der Kontaktaufnahme und hat blitzschnell einen praktischen Hinweis. Nur: Das entspricht formal in etwa dem Kartenlegen oder anderen Orakelmethoden, nur wissenschaftlich drapiert und mit Hochglanztechnologie serviert. Vielleicht ist es nicht von ungefähr, dass derzeit auch der Devotionalienhandel mit Amuletten, Heilsteinen und derlei floriert. Reale Begegnung und Kontaktaufnahme indessen war immer mühevoll und riskant, selbst für Gott, wie der zweite Teil der Bibel berichtet …

Helmut Aßmann


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