personelles | 30. august 2026
Nachruf
Dr. Volker Keding †
In den frühen Morgenstunden des Sonntags am 30.8.2026 ist unser Mitglied und Freund Dr. Volker Keding nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Wiederum ein Sonntag, so wie bei seiner Geburt am 27.7.1952. Wir trauern um den Verlust eines Freundes, eines Bruders im Glauben, um einen Lehrer und um einen glaubensfrohen Menschen, mit dem wir viele Jahre unterwegs gewesen sind.
___ Volker Keding ist in den vergangenen Jahren zu unserer wichtigsten theologischen Stimme geworden und hat auf unseren Tagungen und Zusammenkünften stets einen prominenten Platz in den Tagesordnungen bekommen. Gar nicht so sehr, weil er darum gebeten hätte. Das war bekannter- und erklärtermaßen nicht sein Stil. Auch nicht, weil er so ein flammender Redner gewesen wäre, etwa im Stile der alten Prediger aus den 70er und 80er Jahren. Diese Gattung gibt es kaum noch, sie hat wohl auch ihre Zeit gehabt.
Es ergab sich vielmehr organisch aus seinen Beiträgen. Von der Gnade handelte noch im Juni seine letzte Bibelarbeit auf der Theologischen Tagung im Kloster Hünfeld. Voll von biblischem Wissen, getränkt von pastoraler Erfahrung, schillernd zwischen den Kulturen Afrikas, Deutschlands, der USA, aus denen seine Beispiele stammten, leicht und luftig in der Darbietung. So war er, und so war es, und wir hingen an seinen Formulierungen, Anekdoten, Wortspielen und Kuriositäten. Theologische Weitsicht und biographische Erdung kunstvoll ineinander verflochten. Stets mit einem knapp gehaltenen Handout, das man wirklich später gebrauchen konnte, ebenso akademisch wie lesbar, gelehrt und insprierend zugleich. Und noch etwas: Irgendwie auch umspielt von einer Musik, die man zwar nicht hören konnte, die aber das jahrzehntelange Cellospiel als Subtext seiner Theologie immer wieder zur Sprache brachte.
Zurückhaltung und Dezenz waren seine selbstverständliche Attitüde. Allein die Zahl der ihm zur Verfügung stehenden Sprachen gab berechtigten Anlass zur Bewunderung, aber all das gab es eher nebenbei. Volkers Wirkung und Bedeutung für uns lag vielmehr in der Konzentration auf das Evangelium als Kraft, nicht als Gedanke oder Weltanschauung. Als Trost und nicht als Behauptung. Da war eine Bibelarbeit weniger eine Belehrung als vielmehr eine Belebung. Das wird uns fehlen. Er wird uns fehlen.
Aber wir sagen dankbar: Wir haben diese Stimme über 10 Jahre bei uns gehabt, und sie hat uns erreicht. Sie war ein Gottesgeschenk an uns, für das wir sehr dankbar sind und das wir in Ehren zu halten wissen. Zuletzt: Sein Weg in die Ewigkeit hatte jene schmerzliche Schönheit um sich, die dann entsteht, wenn der Glanz des Himmels unser irdisches Fassungsvermögen ebenso vollendet wie überschreitet. Von diesem Zeugnis des Glaubens sind nicht nur wir berührt worden, sondern alle, die daran teilhaben konnten.
Nun ruhe er in Frieden und lebe in der Welt, von der er sagte, dass die Wand zwischen der unseren und ihrer Wirklichkeit ganz dünn und durchsichtig sei. Freude auf die Ewigkeit war ihm kein fremdes Gefühl – auch das ein besonderes, letztes Vermächtnis.
Die Schwestern und Brüder der Gruppe 153
Oktober 2026
personelles | 9. oktober 2025
Nachruf
Reinhard Deichgräber †
Reinhard Deichgräber, 18. September 1936 bis 29. September 2025, gehört zum Urgestein der Gruppe 153. Jahrzehntelang leitete er die lebenskundlich orientierte „Mitarbeiterschule“, zu der ich selbst 1970/71 gehörte. Sie war in den Anfangszeiten ein wichtiges Projekt der Gruppe 153 zur Schulung und Glaubensvertiefung von Ehrenamtlichen. In meinem letzten Brief an ihn vier Wochen vor seinem Tod dankte ich ihm: „In dem Jahr der Mitarbeiterschule hast du mir in vielen Dingen geholfen, gabst mir Orientierung und wurdest mir zum Segen.“
__ Zum anderen hat er jahrelang in Aufschlüsse Beiträge geschrieben, vor allem für die Rubrik „Oramus. Briefe zum geistlichen Leben“. Diese Betrachtungen schrieb er von September 2004 bis zum Dezember 2015. Darin legte er ein paar Jahre Taizé-Gesänge aus; von Juni 2008 bis Dezember 2015 folgten Betrachtungen zu Sprüchen des „Cherubinischen Wandersmanns“ Angelus Silesius. Dann gab er die Stafette an mich weiter, und ich wurde 2016 sein Nachfolger in dieser Reihe. Für dieses Vertrauen danke ich ihm noch heute.
Reinhard Deichgräber kam als promovierter Theologe 1965 nach Hermannsburg, wo er dreißig Jahre lang Altes Testament und Lebenskunde unterrichtete. Davon profitierten nicht nur die Studierenden am Seminar, sondern auch die Männer und Frauen der schon erwähnten „Mitarbeiterschule“. Er verband tiefe Frömmigkeit mit großer gedanklicher Klarheit. Seine Glaubensprägung kann als „lutherischer Pietismus“ bezeichnet werden, worauf er aber nicht eingeengt werden darf. Seine Lebensanschauung war philosophisch reflektiert, dazu kam eine mystische Dimension, stark inspiriert von Gestalten wie Angelus Silesius und Gerhard Tersteegen.
Er schrieb eine Reihe gut verständlicher mutmachender Bücher. Begleitung von Einkehrtagungen waren ein wichtiger Bestandteil seines Wirkens. Eine große Rolle spielte für ihn das Singen. Gott zu loben auch durch Gesänge machte ihm Freude. Bis ins hohe Alter sang er, meist auswendig, viele geistliche Lieder.
Diese Seite seiner Persönlichkeit wurde ergänzt durch seine Liebe zur Schöpfung. Deichgräber liebte das Wandern. Ich selbst habe durch ihn 1970 das Wandern lieben gelernt. Er machte außerdem 35 mal das Sportabzeichen in Hermannsburg.
Was nur wenige wissen (er hat es mir etwa 2 Jahre vor seinem Tod anvertraut): Seine Mutter hatte für ihn die Laufbahn eines Arztes ausersehen. Davon träumte sie seit seiner Kindheit, tolerierte aber großmütig seine Wendung zur Theologie. Als er auf der Höhe seines Dozentenlebens 1984-1987 eine Zusatzausbildung in Logotherapie machte, kam dieser alte Traum in gewisser Weise zur Erfüllung: In der Seelsorge weitete sich sein Blick für Menschen, und seine therapeutische Fertigkeit vertiefte sich. Er brachte Menschen nicht nur durchs theologische Examen, sondern auch durch existentielle Krisen. In seiner Beratungstätigkeit versuchte er nicht, Menschen in eine ihm gut dünkende Richtung zu drängen, sondern war eher bemüht, die inneren Möglichkeiten der Gesprächspartner zu ertasten und ihnen Mut zu machen, authentisch ihren eigenen Weg zu gehen. Feierlich ausgedrückt: Er bestärkte Menschen, ihre „Entelechie“ zur Entfaltung zu bringen. Gespräche mit ihm hatten nicht selten heilende Wirkung, was ich sowohl selbst erfahren habe als auch von Freunden weiß, die ihm begegnet sind. Die Wortverbindung „ärztliche Seelsorge“, die Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie prägte, fand in Deichgräbers Tätigkeit eine schöne Verwirklichung.
Er hatte auch ein Herz für die Armen. 2003 gründete er die „Donamus-Stiftung“ zum Wohl unterprivilegierter Kinder im südlichen Afrika, deren Leitung er 2018 an mich übergab.
Wir blicken zurück auf ein reiches und gesegnetes Leben und danken Gott dafür.
Volker Keding für die Gruppe 153
Oktober 2025
personelles | 17. august 2024
Nachruf
Klaus Washausen †
Am Montag, 12.08.2024 ist Klaus Washausen im Alter von 83 Jahren gestorben.
Klaus Washausen hat sich auf vielen Ebenen um Gruppe 153 verdient gemacht. Da ist zum einen die Arbeit der „Familia Dei“. Familienurlaub wurde hier kreativ mit Kultur und Spiritualität verbunden – ein Impuls, der in den siebziger Jahren von Wolfgang Bartholomae auf den Weg gebracht wurde. Klaus Washausen hat ihn weiterentwickelt und fortgesetzt.
Da ist zum anderen das Heft AUFSCHLÜSSE, das unter seiner Schirmherrschaft bereits über zwei Jahrzehnte von Gruppe 153 herausgegeben wird. Schaut man ins Impressum, so findet sich neben der mehrfach wechselnden Redaktionsleitung in großer Konstanz der Name Klaus Washausen als Hauptverantwortlichem.
Im Rückblick ist seine Leidenschaft für das Erbe der neuen Hermannsburger Blütezeit seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, inspiriert durch Impulse von Olav Hanssen, Wolfgang Bartholomae, Klaus Vollmer und Reinhard Deichgräber zu würdigen. Diese Leidenschaft hat er sich wirklich etwas kosten lassen. So hat er auch viele Jahre lang die Gruppe 153 als erster Vorsitzender geleitet.
Die seit den Ursprüngen uns alle elektrisierende triadische Maxime „ganz fromm, ganz klug, ganz weltoffen“ hat er vielfältig gelebt: Durch wissbegieriges Reisen, durch anspruchsvolle Lektüre philosophischer, theologischer und historischer Art, durch Organisation christlicher Tagungen und eines eigenen Hauskreises in Leveste sowie durch Kontaktpflege mit kirchenleitenden Gestalten und Gremien.
Kurz und bündig charakterisiert ihn die Traueranzeige als „voller Dank für ein reiches Leben und voller Hoffnung auf das zukünftige!“
Klaus Washausen tritt ein in die Wolke der Zeugen und darf schauen, was er geglaubt hat.
In der Trauerfeier am 22.08. nehmen wir Abschied. In unser Gebet nehmen wir seine Frau, seine Familie und alle, die um ihn trauern, auf.
Volker Keding und Uwe Schirrmeister für die Gruppe 153
August 2024