Fragen.

> Geistige Klarheit | Diskurs

Diese Rubrik beschäftigt sich mit theologischen Fragestellungen und Auseinandersetzungen mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sowohl in einzelnen Texten und Erörterungen als auch in den Hinweisen auf unsere Veranstaltungen.

 



Die Lust zu reisen

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Und wohin geht es im Urlaub? Selbstverständlich ist heute Urlaub mit Reisen verbunden. Urlaub als Unterbrechung, als Abstandnehmen, manchmal auch als Flucht von daheim. Mal etwas ganz anderes machen, was anderes essen, sich anders kleiden, Neues sehen, „Wildes“ unternehmen. Reisen ist zu einem Bestandteil der persönlichen Identität und Selbstdarstellung geworden. Nicht verreisen zu können, ist inzwischen zu einem gesellschaftlichen Makel geworden. Aus der „Grand Tour“, die vom 17. bis ins 19. Jahrhundert unter wohlhabenden europäischen Adeligen und reichen Bürgersöhnen verbreitet war, wurde im 20. Jahrhundert der „Tourismus“. Während am Anfang …


Neue Blickwinkel

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Eigentlich wollte ich nach meinem Abitur 2019 nach Kanada, um zu arbeiten und zu reisen, so wie es auch schon die meisten meiner Freunde nach ihrem Schulabschluss in Neuseeland oder Australien gemacht haben. Nach dem Abitur habe ich ein paar Monate gearbeitet, um eine gute Grundlage für meine Pläne zu schaffen. Im März 2020, nach dem 18. Geburtstag meiner Schwestern, wollte ich los. Doch dann ging leider gar nichts mehr. Reisen auf einen anderen Kontinent oder innerhalb von Europa waren nicht mehr möglich. Meine Pläne für die Zeit zwischen Schule und Studium wurden durch Corona mächtig durchkreuzt. Also musste ich umdenken. Ich habe meinen Minijob erstmal weitergemacht und abgewartet, in der Hoffnung, dass der ganze Corona-Wahnsinn schnell wieder aufhört. Hat er leider nicht …


Reisen in Indien

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Die letzten elf Monate habe ich in Indien studiert – zwei Semester indisches und internationales Recht an der O.P. Jindal Global University in Sonipat, das ist eine Autostunde von Delhi entfernt. Warum Indien? Dahin brachte mich offiziell das Interesse am Rechtssystem eines rasant an internationaler Bedeutung gewinnenden Schwellenlandes, und inoffiziell die Neugier am persönlichen Austausch mit völlig anders sozialisierten Menschen und der Herausforderung des Reisens durch völkerrechtlich umkämpfte Regionen und unterschiedlichste Klimazonen: …


Pilgern auf dem Olavsweg in Norwegen

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Gerade pensioniert, habe ich mich Ende Mai 2018 auf den Weg gemacht. Zunächst fuhr ich mit dem Flixbus von Göttingen über Berlin nach Oslo. Dort stieg ich nach 22 Stunden in den Zug nach Hamar, wo mein Weg beginnen sollte: 488 km bis Trondheim, zum Olavsdom, Ziel des alten Pilgerweges – mit 10 Kilogramm Gepäck täglich 20 bis 25 Kilometer mit einem Auf und Ab von insgesamt 15.656 Höhenmetern. Dieser Weg sollte mir im Übergang vom Beruf als Pastor und Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde helfen, mich in die neue Phase des Ruhestandes einzufinden. Ich wählte den Olavsweg, weil ich davon ausgehen konnte, dort weitgehend allein unterwegs zu sein. Bereits in der ersten Pilgerherberge, in Hamar, übernachtete ich allein. Die weitgehende Einsamkeit der 31 Tage war eine Herausforderung, …


Die Welt ist gut – 9 Gründe für mehr Zuversicht

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Dieser Artikel ist aus einem Vortrag hervorgegangen, den ich im April 2026 an der Akademie für Logotherapie und Existenzanalyse in Mainz gehalten habe. Grundlage waren gesellschaftliche Beobachtungen, wissenschaftliche Studien sowie konkrete Beispiele aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen. Inspiriert hat mich unter anderem der GEO-Beitrag „Neun Gründe für mehr Zuversicht (trotz allem)“ (Ausgabe 01/2023), verbunden mit logotherapeutischen Gedanken des österreichischen Psychologen/Psychiaters Viktor E. Frankl. Im Zentrum stand dabei keine Gegenerzählung zur Weltlage, sondern die Frage, wie sich der Blick verändert, wenn man nicht nur das Bedrohliche sieht, sondern auch das bereits Gelungene. …



153 – mehr als eine Zahl

newsletter | 03

Wie hört man auf?
Schaut man sich die vier Evangelien an, so haben alle einen eigenen, charakteristischen Schlusston. Anfänge und Schlüsse sind ohnehin komplizierte Ereignisse. Mit jedem Anfang beginnt eine unberechenbare Geschichte, sei sie literarisch, sei sie biographisch oder gar weltgeschichtlich. Genauer formuliert, ist der Anfang von etwas nie genau bestimmbar. Denn in der Vielzahl der zusammenfließenden Kräfte, durch die etwas beginnt, ist ein genau bestimmter Zeitpunkt nie zu fixieren. Und bei Schlüssen ist es ähnlich. Wann hört schon etwas tatsächlich, endgültig und definitiv auf, zu sein, zu wirken oder zu erinnern?
Nicht anders bei den Evangelien als literarische und theologische Einheiten: Warum wurden diese Bücher, das „Evangelium“ nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes geschrieben (von den vielen anderen, nichtkanonischen Evangelien einmal ganz abgesehen), für wen, aus welchem persönlichen Interesse, aufgrund welcher gedanklicher, emotionaler und psychischer Einwirkungen? Und wann ist es so zu Ende, dass der Autor sagen kann: Es ist alles gesagt, und es ist so gesagt, dass ich das Geschriebene auf seine unberechenbare Reise durch die Zeit schicken kann?



Graffiti und Streetart in Florenz

newsletter | 02

Graffiti und Streetart sind aus unseren Städten nicht mehr wegzudenken. Ärgerliche Schmierereien von meist jugendlichen Sprayern als Reviermarkierung oder staunenswerte Kunst wie bei den inzwischen berühmten Wandbildern des anonym bleibenden Banksy. Diese nichtkommerzielle Kunst ist generell illegal, wo sie nicht – wie im Falle der Banksy-Bilder gerne nachträglich – von den jeweiligen Eigentümern der Flächen erlaubt wird. 
Illegal oder nicht – Graffiti oder ähnliche Kunstformen wollen Aufmerksamkeit erregen und Botschaften in den öffentlichen Raum tragen …


153 – mehr als eine Zahl

newsletter | 02

Im ersten Teil dieser kleinen Reihe haben wir uns mit einigen Auslegungsversuchen des Abschnitts Joh.211-14 beschäftigt, in dem diese merkwürdige Zahl erscheint. 153 große Fische, so heißt es in v.11, zieht Petrus nach dem nachösterlichen Fischfang an Land. Die Netze, anders noch als im vorösterlichen Fischzug in Lk.51-11, reißen an diesem Morgen nicht. Lässt man einmal Fische, Netze und Jünger beiseite und schaut sich die natürliche Zahl 153 als mathematisches Objekt an, so bietet sie allein eine ganze Reihe von Besonderheiten, auf die man als unbeschwerter und unvoreingenommener Bibelleser erst einmal nicht kommt.


153 – mehr als eine Zahl

newsletter | 01

„Die ganzen Zahlen hat der liebe Gott gemacht; alles andere ist Menschenwerk“. Dieses Zitat wird Leopold Kronecker (1823-1891) zugeschrieben, einem der produktivsten und streitbarsten Mathematiker des 19. Jahrhunderts. Damit polemisierte er gegen die zu seiner Zeit aufkommenden mathematischen Modelle, in denen mit unendlichen Mengen gearbeitet wurde oder Algorithmen mit unendlich vielen Arbeitsschritten in Gebrauch kamen.