Glauben.

> Religiöse Erfahrung | Tiefe

Unter dieser Rubrik stehen Texte und Überlegungen zum spirituellen Leben, christlicher Praxis und kirchlicher Tradition, immer bezogen auf unser Hier und Jetzt.

 



Menschwerdung

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Quer durch Kulturen und Epochen zieht sich eine Ahnung. Das leise Gespür für Gott. Es tritt in zwei charakteristisch verschiedenen Spielarten auf. Für die einen ist Gott unzugänglich weit entfernt. Für die anderen sehr präsent, aber mit allzu oft allzu menschlichen Zügen.
 Zunächst zu dem entfernten Gott. Dieser Eindruck ist geprägt von der untrüglichen Erfahrung unüberbrückbarer Distanz. Schon im alten China sprach man vom Shang-Di (上帝), dem höchsten Gott und Schöpfer der Universums. Aber Shang-Di war zu weit entfernt, als dass man ihn hätte anbeten oder anflehen können. Eine ähnliche Ahnung umspielte die Bantu-sprachigen Völker Afrikas. …


Wo Gott im Menschen Gestalt annimmt

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„Und Gott erschuf den Menschen in Seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf Er ihn.“
 Bereschit 1,27  
Der göttliche Funke
. Die jüdische Tradition kennt keine Inkarnation im christlichen Sinn. Dennoch beinhaltet sie eine tiefe Lehre über die Gegenwart Gottes im Menschen, nicht in einem Einzelnen, sondern in jedem Menschen. 
Wenn der Talmud sagt, dass 
„wer ein einziges Leben rettet, eine ganze Welt rettet“ (Sanhedrin 37a),
 dann bedeutet dies, dass jeder Mensch eine ganze Welt in sich trägt, ein Zelem Elohim, ein göttliches Abbild.
 Die „Menschwerdung“ ist im jüdischen Denken also kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortwährender Auftrag: Immer dann, wenn ein Mensch Güte zeigt, Gerechtigkeit übt, Frieden sucht, zeigt sich die Gestalt Gottes im Handeln des Menschen.
 Gott ist nicht fern, Er ist im Tun, im Mitfühlen, im Leben. Er ist da, wo der Mensch ‚a Mensch‘ wird.


Zieh den Kreis nicht zu klein … –
Online-Kurs zu Themen des christlichen Glaubens

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Krisenstimmung. Es gibt viele solcher Mutmacher, aber wenige, die so unauffällig, unspektakulär und glaubensfroh daherkommen. Pastorin Birgit Berg aus der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers bietet seit nunmehr über zehn Jahren Glaubenskurse per Internet an, die sich durch drei weithin für Motivationsbremsen gehaltene Schwerpunkte auszeichnen: Erstens legt sie Wert auf Vermittlung von Informationen über den christlichen Glauben und über die Geschichte der Kirche, zweitens verweist sie regelmäßig auf die Kirchen und Gemeinden vor Ort, um den Teilnehmern der Kurse die lebensweltlichen Kontexte nahezubringen, drittens verzichtet sie auf ein konkretes Ziel des Kurses im Sinne eines Rates oder einer Aufforderung, aus dem Gehörten eine Konsequenz  zu ziehen. Es sei denn, jemand fragt danach. Auf diese Weise kommen im Jahr zwischen 60 und 90 Personen digital zusammen, finden zurück zur Kirche, zu einem eigenen Glauben oder auch zu einer endgültigen Absage. Aber hören wir sie selbst … 


Oramus

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„Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder!”
PS 98,1
Oramus ist ein lateinisches Wort. Es bedeutet „wir beten“. Die Oramus-Briefe wollen Impulse geben, wie wir uns anhand eines Gebetes der biblischen Dichter und Sänger zum eigenen Beten inspirieren lassen. Wir können uns von ihnen in Schwingung versetzen lassen wie die Saite einer Geige und unsere eigene Melodie finden …



Adventsträume – Wenn Gott durch das Leise spricht

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Advent ist die Zeit der großen Sehnsucht – und der kleinen, leisen Zeichen. Während die bekannten Gestalten der Weihnachtsgeschichte oft im Mittelpunkt stehen, lohnt sich ein Blick auf jene unscheinbaren Figuren, durch die Gott verborgen und doch zielgerichtet wirkt. Eine dieser Gruppen sind die Weisen aus dem Morgenland, die magoi, deren Weg und Träume uns bis heute etwas über Gottes leises Reden lehren.


Advent 2025

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„Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir…“ (Jes.602).
So beginnt eines der schönsten und leuchtendsten Kapitel aus dem dritten Teil des Propheten Jesaja. Die Lage wird ebenso düster wie verheißungsvoll dargestellt.

Finsternis über dem Erdreich, Dunkel über den Völkern. Man muss das nicht groß erläutern am Ende des Jahres 2025. Das lichtvolle Jahr 1989 ist längst vergangen. Die Wende in Deutschland und Europa, das Ende des globalen Konfliktes, der den Namen „Kalter Krieg“ trug: für manche nur noch ferne Erinnerung. 2001 hatte sich der russische Präsident Putin mit einer Rede im deutschen Bundestag – übrigens nach den Anschlägen auf die New Yorker Zwillingstürme – in die Reihe der Freunde und Partner Europas mit umjubelten Worten eingetragen. Francis Fukuyama, US-amerikanischer Politikwissenschaftler, sah gar das „Ende der Geschichte“ gekommen.
Alles lange her.  …



Heiliger Geist

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Tansania, 2011, Issuna, Jubiläumsfeier zur Gründung einer lutherischen Missionsstation in der Zentraldiözese Singida. Keine weltbewegende Veranstaltung, aber immerhin so wichtig, dass verschiedene Kooperationsparter der LCT (Lutheran church of Tansania) angereist sind, um an den Festivitäten teilzunehmen. Auch wir, eine kleine Abordnung aus Hildesheim, gaben uns die Ehre, im Gepäck eine Lutherfigur, rot, mühsam durch die Flughafenkontrollen bugsiert, aus dem Arrangement des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl von 2010.


Das Glaubensbekenntnis von Nicäa – zum 1700ten Jubiläum

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Unter dem Informationsdruck der zahlreichen schweren Auseinandersetzungen in der Welt und der gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklung hierzulande, vom Gazakrieg über die Zollstreitigkeiten bis zu den Missbrauchsvorfällen, ist ein bedeutendes Jubiläum nahezu unsichtbar geblieben: 1700 Jahr Konzil und Bekenntnis von Nicäa. Selbst in den Kirchen ist dieses Ereignisses bestenfalls beiläufig gedacht worden, obwohl in besonderen Festgottesdiensten und an prominenten Stellen des Glaubensbekenntnisses von Nicäa-Konstantinopel eifrig bemüht wird, dessen Grundgerüst 325 gelegt wurde.