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Zieh den Kreis nicht zu klein … –
Online-Kurs zu Themen des christlichen Glaubens
Birgit Berg, Pastorin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Der folgende Beitrag ist zu lesen als Mutmacher gegen die allgemeine Krisenstimmung. Es gibt viele solcher Mutmacher, aber wenige, die so unauffällig, unspektakulär und glaubensfroh daherkommen. Pastorin Birgit Berg aus der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers bietet seit nunmehr über zehn Jahren Glaubenskurse per Internet an, die sich durch drei weithin für Motivationsbremsen gehaltene Schwerpunkte auszeichnen: Erstens legt sie Wert auf Vermittlung von Informationen über den christlichen Glauben und über die Geschichte der Kirche, zweitens verweist sie regelmäßig auf die Kirchen und Gemeinden vor Ort, um den Teilnehmern der Kurse die lebensweltlichen Kontexte nahezubringen, drittens verzichtet sie auf ein konkretes Ziel des Kurses im Sinne eines Rates oder einer Aufforderung, aus dem Gehörten eine Konsequenz zu ziehen. Es sei denn, jemand fragt danach. Auf diese Weise kommen im Jahr zwischen 60 und 90 Personen digital zusammen, finden zurück zur Kirche, zu einem eigenen Glauben oder auch zu einer endgültigen Absage. Aber hören wir sie selbst:
"Mitte Januar trafen sich Interessierte, um über die biblische Losung für das neue Jahr ins Gespräch zu kommen. Das Besondere an dieser Zusammenkunft war, dass sie digital stattfand und somit eine vom Wetterbericht unabhängige Vernetzung ermöglichte, die von Palma de Mallorca über Südtirol, den Schwarzwald, Frankfurt, Berlin und Potsdam bis nach Norddeutschland reichte und Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Glaubensgeschichten zusammenbrachte. Beim von der Jahreslosung angestoßenen Unterthema „Umgang mit Veränderungen“ berichtete ein Teilnehmer über bevorstehende Kürzungen in der gottesdienstlichen Versorgung vor Ort und dem möglichen Frust in der Gemeinde. Eine an Long-Covid erkrankte Frau schilderte, dass sie wieder Rad fahren könne und wie sehr sie dieser gesundheitliche Fortschritt freue. Über ihren ganz persönlichen Neuanfang, nämlich ihre Taufe Ende letzten Jahres, berichtete eine Dritte. Die Veranstaltung endete mit Gebet und Segen. Niederschwellige digitale Angebote mit hoher Reichweite wie diese gibt es trotz der durch die Pandemie beschleunigten Digitalität im kirchlichen Raum leider noch viel zu selten.
Das Zoom-Angebot gehört zum Pool der digitalen Angebote, die sich an aktive und ehemalige Teilnehmende des Online-Kurses „Den christlichen Glauben entdecken“ richten. Im Folgenden möchte ich auf diesen Kurs näher eingehen:
Ziel des Kurses ist es, einen niederschwelligen Zugang zu christlicher Welt- und Selbstsicht zu ermöglichen und Glaubenserfahrungen zu sammeln. Dabei richtet sich der Kurs sowohl an die „klassischen Zielgruppen“ (Hochverbundene) als auch an diejenigen, die kaum bzw. keinen kirchlichen Kontakt haben. Speziell angesprochen werden Personen, die beispielsweise aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit, gesundheitlichen Einschränkung, familiären Eingebundenheit oder einem nicht vorhandenen Gemeindebezug keine Gelegenheit haben, Angebote vor Ort wahrzunehmen.
Die wöchentlichen Studienbriefe, die je nach Interesse im privaten Rahmen bearbeitet werden können, enthalten neben inhaltlichen Impulsen und meditativen Texten Anleitungsfragen zur persönlichen Reflexion sowie viele weiterführende Informationsangebote. Auch können interaktive Angebote genutzt werden: Kurstreffen, Austausch per Email, Teilnahme an einem Telefontandem. Parallel zum Kursverlauf oder jederzeit nach Kursende besteht die Möglichkeit, Teil der digitalen Gemeinschaft der Ehemaligen zu werden und unter anderem an digitalen Formaten wie Bibel-Teilen, Andachten, Infoveranstaltungen und Workshops teilzunehmen.
Zieh den Kreis nicht zu klein…
Die Heterogenität der Gruppe ist eine Chance und trägt Früchte: Diejenigen, die bisher keinen oder kaum Kontakt zu Kirche hatten, lernen andere kennen, für die Kirche und Glauben alltagsrelevant sind und andersherum. Im zwischenmenschlichen Kontakt können Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden. Bei persönlichen Themen wie Glaubensfragen, Glaubenszweifel, Taufe, Wiedereintritt und eventuelle Konversion ist ein digitaler Zugang von Vorteil. Dieser ermöglicht „Nähe durch Distanz“ und meint eine Offenheit, die im analogen Rahmen in der Regel nicht herzustellen ist.
Ausschlaggebend für die positive Resonanz des Kurses sind m.E., den eigenen Interessen und Fragen nachgehen zu können, der verbindliche und transparente Kontakt zur Kursleitung sowie die inspirierenden Studienbriefe. Dieses führt dazu, dass Menschen sich mit ihrer persönlichen Glaubensgeschichte und in ihrer spirituellen Suche ernst genommen fühlen."
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Nähere Auskünfte über die Online-Glaubenskurse finden sich hier:
https://online-kurs-zum-glauben.wir-e.de/aktuelles