newsletter | 03
„Prüfet alles und das Gute behaltet.“
Über die Slvestertagung 25/26
Gabriele Hilgenstock
Die Jahreslosung von 2025 war Thema der vergangenen Silvestertagung im Michaeliskloster in Hildesheim. Wie immer waren verschiedene Referenten eingeladen, unter anderem Frau Prof. Corinna Dahlgrün. Die „Sieben Regeln zur geistlichen Unterscheidung”, über die sie sprach, sind mir immer wieder Orientierung und Hilfe in meinen täglichen Begegnungen. So nehme ich sie als Leitfaden für meine Gedanken zur Silvestertagung:
1. Glaube an Christus: Das ist der Grundton, die Melodie, die alles begleitet. Die Menschen, die ich bei der Tagung treffe, sind auch mit Ihm unterwegs, die täglichen Bibelarbeiten berichten von IHM, ebenso die Andachten abends in der wunderbaren Michaeliskirche. Auch die Vorträge höre ich in diesem Resonanzraum und versuche, meine Erkenntnis über Ihn, mein Vertrauen zu Ihm, neu zu überdenken, zu validieren.
2. Kein Widerspruch zum Doppelgebot der Liebe: Wir kommen alle zur Silvestertagung, um Gemeinschaft zu suchen, zu finden und in den drei Tagen zu leben – ob beim Essen, abends beim Wein oder Bier, beim Spaziergang in der Mittagspause oder zwischen den Vorträgen, in den Diskussionen, beim Aushalten von Eigenarten und Angewohnheiten, von zu vielen und zu schnellen Fragen (meine Spezialität) usw. – frei nach dem Motto: Das gehört eben dazu, besser: Du gehörst dazu! Wird durch den Besuch dieser Tagung meine Liebe zu Gott gestärkt und zu meinen Mitmenschen? Die Inhalte, die vermittelt werden durch Vorträge und Andachten, können sicher dazu beitragen. Das gemeinsame Feiern, die gemeinsamen Mahlzeiten und die unterschiedlichen informellen Treffen sicher auch. So ist die Tagung gedacht.
3. Förderung der Gemeinschaft: Ein Schlaglicht bei der letzten Tagung lässt sich für mich auf das Fest am Silvesterabend werfen, als „unsere“ Teenies für uns alle ihre Akrobatik vorführten – der gemeinsame Spaß daran war großartig!
4. Sichtbarkeit im Lebensalltag: Nun ist ja solch eine Tagung kein Alltag. Aber wir erzählen uns aus unserem Alltag. Von Freunden, über die wir uns Sorgen machen, von der Gemeinde, in der wir mitarbeiten, über Ärger, Traurigkeit, Leere und Verantwortung, vom Gejagt-Werden und dem Gefühl der Überforderung, von schönen Erlebnissen, Urlaubsreisen und Begegnungen. Wir geben und nehmen Anteil an unserem Leben.
5. Ganzheitliche Lebendigkeit: Laut Frau Prof. Dahlgrün bedeutet das Folgendes: Mir selbst gegenüber ehrlich zu sein, „Ja“ zu sich sagen zu können. Und „Ja“ zu sagen zu dem Angewiesensein auf Gott und auf andere Menschen. Und ein „Ja“ zur Welt zu finden. Da ist die Begegnung mit den Geschwistern zwar manchmal auch eine Herausforderung, aber meist eine große Hilfe. Ein Übungsfeld dafür kann die Tagung sein, sie bietet dafür jedenfalls reichlich Gelegenheit.
6. Verantwortung vor der ganzen christlichen Tradition: Wir singen alte und neue Lieder, beten zusammen das Vaterunser, stellen uns gemeinsam unter den Segen. Und unsere theologischen Referenten sind allesamt aktive Mitglieder ihrer Kirche. Wir stehen zusammen auf dem Boden der Heiligen Schrift und jeder und jede ist aufgefordert, das zu prüfen.
7. Approbation durch die Gemeinschaft: Ich habe es so verstanden, wenn ich eine wichtige Entscheidung treffe und/oder einen Auftrag erhalte, den ich als von Gott verstehe, lasse ich ihn durch erfahrene und bewährte Mitchristen prüfen. Kann ich das „herunterbrechen“ auf die Tagung? Womöglich. Was mir viel Stoff zum Nachdenken gibt…