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Keine 100 Millionen – aber es bewegt sich was
Der Konvent der Gruppe 153 · 2026
Sabine Bochmann
Wusstet Ihr, dass der längste Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas stattliche 50 Tage dauerte? Das war 1945 – und inzwischen hat sich offenbar auch bei den Genossen eine gewisse Parteitagsmüdigkeit eingeschlichen. Die ganze Veranstaltung dauert heute in der Regel nur noch etwa eine Woche. Trotzdem: Immer noch ein sehr vernünftiger Grund, kein Mitglied zu werden ;-)
Der Konvent der Gruppe 153 (also quasi unsere Mitgliederversammlung) tagt immerhin ein ganzes Wochenende. Aber die Vorstellung, dass sich rund 2.300 Delegierte in gewohnter 153-Manier über das „Wo komme ich her – wo gehe ich hin?“ austauschen, ist dann doch ein etwas schräger Gedanke.
Aber immerhin: Wir kommen damit auf etwa ein Drittel der Tagungszeit einer Partei mit 100,27 Millionen Mitgliedern (Stand 2024). Nun kann man die Wege des Herrn natürlich nicht so einfach mathematisch ins Verhältnis setzen, aber die Frage sei erlaubt, was uns das über unsere eigenen potenziellen Mitgliederzahlen sagen könnte …
Und damit sind wir mittendrin im Thema – und beim Konvent. Zumindest fast.
Für mich war der Besuch in Haselbach im Gästehaus Hohe Rhön eine Premiere; für nicht wenige von uns aber ein liebgewonnenes Nach-Hause-Kommen an einen Ort, der die Gruppe 153 offensichtlich schon ein gutes Stück ihres Weges begleitet hat. Viele Erinnerungen und ebenso viele Begegnungen sind mit den Menschen im Haus verknüpft. Ähnlich wie schon in Selbitz lauscht man als „etwas jüngere“ Protagonistin den Geschichten einer „personenstarken“ Zeit unserer Gemeinschaft.
Für mich als „altes Zonenkind“ strahlte das Haus eher den Charme meiner eigenen, vielleicht leicht verklärten Vorstellung der alten Bundesrepublik aus – irgendwo zwischen Schwarzwaldklinik und Diese Drombuschs. Und gerade hier sollte der Blick nach vorn gehen: mit Neugier, Schaffenskraft und Tatendrang.
Und was soll ich sagen: Vielleicht haben wir (noch) keinen so klangvollen Slogan wie den vom YMCA Weltrat im Rahmen der Vision 2030 beschlossenen „Move your Y“. Aber de facto treiben uns ganz ähnliche Themen um: Relevanz, Sichtbarkeit, Vernetzung und natürlich auch die Frage nach einer Perspektive für die Zukunft. Zeitgeistig gesprochen war dieser „Spirit“ in Haselbach/beim Konvent/in der Rhön-Runde spürbar und in den Berichten über das Entstandene und Entstehende in gewisser Weise auch greifbar.
Ideen gab es viele – und daraus abgeleitet die nächsten Schritte für ein wieder wachsendes Netzwerk an Menschen und Protagonisten sowie zahlreiche Themen für Tagungen und Seminare.
2012 hat Xi Jinping vom „Chinesischen Traum“ gesprochen – aus einer vermeintlich ehemals „glorreichen“ historischen Stellung Chinas vor dem 19. Jahrhundert wird dabei eine Legitimation gewonnen, um eine große Zukunft zu erreichen. Und dieser „Chinesische Traum“ wird inzwischen weltweit sichtbar und spürbar umgesetzt.
Nun, unsere Mitgliederzahl verfehlt die 100,27 Millionen nur knapp ;-) – aber auch unsere kleine Gemeinschaft hat in den Bibelarbeiten, Gesprächen, Berichten und Planungen sehr klare Linien erkennen lassen.
Und sicher war es daher kein Zufall, dass uns in der Bibelarbeit von Helmut Aßmann genau diese Frage begegnete: „Was sollen wir denn tun?“ (Luk 3,10–14). Nicht als große theologische Abhandlung, sondern ganz praktisch: Wie wird aus Reden Handeln? Wie gehe ich mit dem Warten auf das Reich Gottes um – und was bedeutet es, jetzt schon im Kleinen anzufangen? Die Antwort ist dabei überraschend schlicht und zugleich herausfordernd: solidarisch handeln, das Naheliegende tun, die eigenen Maßstäbe im Alltag prüfen (#Silvestertagung25/26).
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bewegung – nicht im großen Wurf, sondern darin, dass das, was uns trägt, bereits Teil unserer Identität ist und im Tun sichtbar wird:
• in Bewegung kommen
• Veränderung anstoßen
• sich nicht einrichten, sondern weitergehen
• neugierig bleiben.
Wir errichten sicher keine „Neue Seidenstraße“ – müssen wir auch nicht. Aber schön wäre es, wenn dieser „Spirit“ nicht im Kleinen bleibt, sondern etwas daraus erwächst – mit Euch, für Euch und natürlich auch für andere.
Es bleibt also spannend. Aber wann ist es das im Reich des Herrn eigentlich nicht?